9. Februar 2012

Optionsscheine – Basiswissen

Die wichtigsten Begriffe

Optionen spielen auch im täglichen Lebeneine große Rolle. Wer beispielsweise einenFlug reserviert, ohne ihn fest zu buchen,hat ein Optionsgeschäft abgeschlossen. Der Reisende hat damit ein Recht erworben, daser nutzen kann. Ein Optionsgeschäft an der Börse ist ähnlich aufgebaut. Generell verbrieft eine Option das Recht, einen bestimmten Basiswert (Underlying) innerhalb einer bestimmten Frist zu kaufen (Call) beziehungsweise zu verkaufen (Put). Der Basispreis ist der Preis, zu dem der Basiswert zu einem Zeitpunkt in der Zukunft erworben werden kann. Die Option auf Kauf oder Verkauf des Basiswerts kann bis zu einem festgelegten Laufzeitende ausgeübt werden. Geschieht dies nicht, verfällt die Option wertlos.  leicht erklärt 

 Basiswert: Aktie, Aktienindex, Wechselkurs oder Terminkontrakte auf Anleihen und Rohstoffe,die mit dem Optionsschein bezogen werden können.  
Basispreis: Preis, zu dem durch Ausübung der Option der Basiswert zukünftig gekauftoder verkauft werden kann.
Fälligkeitsdatum: Zeitpunkt, an dem das Optionsrecht erlischt. 
Kaufoptionsschein oder Call: Option auf den Kauf eines Basiswerts.  
Verkaufsoptionsschein oder Put: Option auf den Verkauf eines Basiswerts. 
Bezugsverhältnis: Anzahl der Optionsscheine, um einen Basiswert kaufen oder verkaufenzu können. 
Im Geld stehende Option: Call, bei dem der Basiswert über dem Basispreis notiert.Put, bei dem der Basiswert unter dem Basispreis notiert. 
 Am Geld stehende Option: Call oder auch Put, bei dem der Basiswert nahe dem Basispreisnotiert.  
Aus dem Geld stehende Option: Call, bei dem der Basiswert unter dem Basispreisnotiert. Put, bei dem der Basiswert über dem Basispreis notiert. 

Der Basispreis ist die Hürde, die es bei einem Call zu überspringen gilt. Der Basiswert, als beispielsweise eine Aktie, kann dann durch Optionsausübung zu einem Basispreis, der unterdem Aktienkurs liegt, gekauft werden. Danach können Investoren die Aktie wieder zum höheren aktuellen Marktpreis der Aktie verkaufen und sich über den Differenzbetrag freuen. Auch beim Put stellt der Basispreis eine Hürde dar. Der Basispreis sollte unter dem Kurs des Basiswerts liegen.Der Basiswert, also beispielsweise eine Aktie, kann dann am Aktienmarkt günstigerworben und durch Optionsausübung zu einem höheren Kurs an den Stillhalter des Optionsscheins weiterverkauft werden. Der Stillhalter, also beispielsweise die Bank, hat sich zum Kauf der Aktie zum Basispreis verpflichtet. Die Vielzahl der eben beschriebenen Geschäfte laufen heute automatisch ab. Am Laufzeitende oder bei vorzeitiger Ausübung erhalten Investoren heute die Kursdifferenz zwischen Aktienkurs und Basispreis gewichtet mit dem Bezugsverhältnis in bar ausgezahlt. Der innere Wert Diese Differenz zwischen Aktienkurs und Basispreis gewichtet mit dem Bezugsverhältnis wird auch als innerer Wert eines Optionsscheins bezeichnet. Berechtigt ein Call zum Kauf einer Aktie zu 90 Euro und notiert die Aktie bei 100 Euro, so beträgt bei einem Bezugsverhältnis von 1 : 1 der innere Wert 10 Euro. Sinkt die Aktie unter den Basispreis, so hat der Schein keinen inneren Wert. Bei einem Put, der zum Verkauf einer Aktie von 110 Euro berechtigt, beträgt der innere Wert 10 Euro – vorausgesetzt, die Aktie notiert bei 100 Euro.2)Der Optionsscheinkurs liegt in der Regel über dem inneren Wert. Experten sprechen davon, dass sich der Preis eines Calls und Puts aus innerem Wert und Zeitwert zusammensetzt. Dieser Zeitwert, auch als Aufgeld bezeichnet, ist als Entgelt für die Lebensdauer des Rechts zum Kauf oder Verkauf eines Basisobjekts zu verstehen. Je länger die verbleibende Laufzeit eines Scheins, desto wertvoller ist dieses Recht, und desto höher ist tendenziell der prozentuale Anteil des Zeitwerts am Gesamtwert des Optionsscheins.Weist ein Optionsschein keinen inneren Wert auf, so reflektiert der Optionsscheinkurs allein die Tatsache, dass das in ihm verbriefte Recht auf Kauf oder Verkauf eines Basiswerts noch für eine bestimmte Zeit gilt. Nähert sich ein Optionsschein ohne inneren Wert dem Laufzeitende, so schwindet der Zeitwert für das Recht und der Kurs tendiert ebenfalls gegen Null. 
Das Aufgeld oder Agio drückt aus, um wie viel der Bezug des Basisinstruments über den Optionsschein teurer ist als der Kauf des Basiswerts an der Börse. Das Aufgeld entspricht damit der Differenzzwischen Kurswert und innerem Wert und damit dem Zeitwert. In unserem Beispiel, in dem ein Kaufoptionsschein einen Basispreis von 100 Euro aufweist und die Aktie bei 120 Euro notiert, beträgt der innere Wert 20 Euro. Der Call wird zu 25 Euro gehandelt. Das absolute Aufgeld beträgt 5 Euro. Das lässt sich mit einer Formel leicht berechnen.Das absolute Aufgeld gibt an, um wie viel Euro der Kurs des Basiswerts bei einem Call steigen und bei einem Put fallen muss, um am Ende das Optionsscheingeschäft nicht im Verlust enden zu lassen. Absolute Aufgelder sind jedoch nur dann vergleichbar, wenn die Basiswerte ein ähnlichesKursniveau aufweisen. So ist eine Kursschwankung von 5 Euro bei einer Aktie, die bei 100 Euro notiert, weit gravierender als bei einer Aktie, die bei 200 Euro notiert. Diese Überlegung führte zum prozentualen Aufgeld. Dabei wird einfach das absolute Aufgeld ins Verhältnis zur Höhe des Basiswerts gesetzt.Etwas komplizierter wird es noch, wenn das Bezugsverhältnis nicht 1 : 1 beträgt oder der Optionsschein in Euro notiert, sich aber auf einen in Fremdwährung notierenden Basiswert bezieht. Dann muss zusätzlich der Optionsscheinkurs in die Fremdwährung umgerechnet und mit dem Bezugsverhältnis multipliziert werden. Die Formel zur Berechnung des prozentualen Aufgelds bei Aktien-Call und Aktien-Puts unter Berücksichtigung von Bezugsverhältnis und Wechselkurs lautet:
Das prozentuale Aufgeld gibt an, um wie viel Prozent der Basiswert bis zum Laufzeitende bei einem Call mindestens steigen und bei einem Put mindestens fallen muss, damit die Position am Laufzeitende ohne Verlust – aber auch ohne Gewinn – für den Käufer des Optionsscheins ausläuft.

Der Grund: Steigt die Aktie genau um diesen Prozentsatz, dann stimmen bei Laufzeitende Optionsscheinkurs und innerer Wert überein.Zur Beurteilung, ob ein Aufgeld angemessen ist, muss auch noch die Laufzeit berücksichtigt werden. Ein prozentuales Aufgeld von zehn Prozent ist anders zu beurteilen, wenn ein Optionsschein statt einer Laufzeit von einem Jahr eine Laufzeit von zwei Jahren hat. Längere Laufzeiten rechtfertigen höhere Aufgelder. Daher schauen Investoren auch auf das Aufgeld pro Jahr. Beim jährlichen Aufgeld wird das Aufgeld durch die Restlaufzeit in Jahren dividiert. Anhand des jährlichen Aufgelds lassen sich Optionsscheine auf einen Basiswert mit unterschiedlichen Laufzeiten vergleichen. Die Berechnung des Aufgelds pro Zeiteinheit verschafft Anlegern einen ersten Überblick, welche Optionsscheine basierend auf ihren Kurserwartungen eine Chance auf hoheGewinne bieten. Der Hebel macht die Musik Anleger zahlen ein Aufgeld, erhalten dafür aber Hebelkraft. Der Hebel gibt Anlegern die Möglichkeit, von Kursentwicklungen überdurchschnittlich zu profitieren. Wenn beispielsweise eine Aktie um ein Prozent steigt, kann der Kaufoptionsschein um mehrere Prozent zulegen. Das Verhältnis zwischen prozentualer Kursveränderung des Optionsscheins und prozentualer Kursveränderung des Basiswerts entspricht der Hebelkraft des Optionsscheins (Omega).

  Omega =(Veränderung des Optionsscheinkurses / Optionsscheinkurs) /  (Veränderung des Aktienkurses /Aktienkurs) 

 Mit Hilfe dieser Gleichung wird das Omega als korrekter Hebel berechnet. Häufig wird in der Praxis die Berechnung des Hebels vereinfacht. Es wird unterstellt, dass der Wert des Basiswerts und der Wert des Optionsscheins um den gleichen Betrag schwanken (Veränderung des Optionsscheinkurses). Damit kürzen sich in der Gleichung die beiden Kursveränderungen heraus.  Stehen bleibt der Wert des Basiswerts dividiert durch den Optionsscheinkurs.Dieser Ausdruck, der auch als indikativer Hebel bezeichnet wird, ist zwar zum Rechnen sehr bequem, kann aber auch sehr irreführend sein. In der Praxis lässt sich beobachten, dass am oder aus dem Geld stehende Optionsscheine um einen geringeren Geldbetrag gegenüber dem Basiswert steigen oder fallen. Nur im Geld stehende Optionsscheine, die einen hohen inneren Wert aufweisen, entwickeln sich, in jeweiliger Währungseinheit des Basiswerts gerechnet, in etwa parallel zum Basisobjekt. Das lässt sich aus dem rationalen Verhalten der Anleger herleiten. Bei einemOptionsschein ohne inneren Wert ist das Risiko größer, dass er wertlos verfällt. Daher billigen Investoren im Fall einer Kurssteigerung des Basiswerts dem Optionsschein nicht die gleiche Wertsteigerung zu. Das Delta gibt eine Orientierung, wie stark sich der Kurs eines Optionsscheins verändert, wenn der Kurs des Basiswerts um einen Euro steigt.5) Damit fällt auch der prozentuale Gewinn beim Optionsschein geringer aus – und das verringert die Hebelkraft. Das verdeutlicht, dass sich Anleger bei der Wahl ihres Optionsscheins nicht am Hebel allein orientieren sollten. Optionsscheine mit einem sehr hohen Hebel weisen ein hohes Aufgeld und eine kurze Restlaufzeit auf. Das ist vor allem bei Optionsscheinen der Fall, bei denen die Chance auf einen positiven inneren Wert am Laufzeitende sehr gering ist. Das Risiko eines wertlosen Verfalls ist bei diesen Scheinen sehr hoch.
DAX® ist eine eingetragene Marke der Deutschen Börse AG. Nasdaq 100® ist eine eingetragene Marke von The Nasdaq Stock Market, Inc.
Quelle: ABN Amro

Teile Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • Digg
  • del.icio.us
  • Reddit
  • Webnews
  • MisterWong
  • Y!GG
  • Facebook
  • TwitThis

Finanzen:

Speak Your Mind

*